Über Verleger und Verlage der Ansichtskarten

In der Regel sind auf den Ansichtskarten die Verlage, in denen diese Karten hergestellt wurden oder die Auftraggeber/Verleger solcher Karten auf der Vorder- oder der Rückseite ausgewiesen. Im Laufe der Jahre sind verschiedene Druckverfahren angewendet worden. Neben echten Photographien gab es Lithogra-phien, Kupfertiefdruck-Karten und Stahlstiche, Prägedrucke und weitere Techniken, Ansichtskarten herzustellen. Das Know-How war bei den größeren Verlagen vorhanden. Eines der ältesten Verlagshäuser, die Druckwerke und Ansichtskarten aus dem gesamten Bereich des Weserberglands herstellten, hatte seit 1864 seinen Firmensitz in Hannoversch-Münden: die Hof-Kunstanstalt Carl Thoericht, später verkürzt Kunstanstalt oder Verlag Carl Thoericht genannt. In diesem Verlag sind weit über 100 Jahre lang mehr als 20.000 Ansichtskarten mit Motiven des Weserberglands und anderer Regionen erschienen, die größten-teils an dem Markenzeichen CTM erkennbar sind. Neben dem CTM-Verlag gibt es weitere große Verlage auf dem Markt *) und lokal eine Reihe von Verlegern, die noch zu nennen sind, auch in unserem speziel-len Sammelgebiet von Carlshafen/Karlshafen und Helmarshausen. Leider sind bislang nur wenig Details über die Geschichte des Verlagshauses Thoericht bekannt. Darüber mehr in Erfahrung zu bringen, wäre noch eine interessante und verdienstvolle Aufgabe. 


Rückseite einer Ansichtskarte von etwa 1900: Auf der Vorderseite ein Foto von Otto Liebert, das jedoch als solches nicht ausgewiesen ist. CTM-Karte Nr. 1653 im Verlag von Ludwig Müller, Carlshafen mit einem handschriftlichen Text: "Sende Dir, lieber Arthur, einen herzlichen Weihnachtsgruß. Bitte empfiehl mich auch Deinen Eltern u. Fräulein Schwester"

 

Angaben zu den jeweiligen Auflagen der Ansichtskarten

Leider sind in den wenigsten Fällen die Angaben bekannt, in welcher Stückzahl die Ansichtskarten-
Motive jeweils hergestellt worden sind. Man darf davon ausgehen, dass es im unteren Bereich nur eine Auflagengröße von wenigen Hundert Karten (200/300) gab. Andere Motive haben eine Stückzahl von 1000 erreicht und darüber hinaus. Es kann auch vorkommen, dass eine bestimmte Aufnahme im Zeitablauf mehrfach verwendet worden ist und dann ggf. nur Texte auf der Vorderseite und/oder die Angaben des Verlags sich geändert haben. Hier ein Beispiel .... (folgt noch)

Seit 1872 war es erlaubt, privat hergestellte Karten im Postverkehr zu versenden. Jahre später, ab 1885 durften private Verleger eigene Bildpostkarten herstellen und vertreiben. Bis diese Entwicklung auch in Carlshafen umgesetzt wurde, dauerte es jedoch noch eine Zeit.
Die Blütezeit der Ansichtskarte begann dann Ende der 1890er Jahre und hielt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs an. Ausführliche Daten und Angaben dazu findet man hier.

Zitat: "Allein im Jahre 1899 wurden in Deutschland 88 Millionen Ansichtskarten produziert. Das Wachstum dieser Industrie steht in Zusammenhang mit der sich gleichzeitig ausbreitenden Sammelleidenschaft. In den 1890er Jahren wurden die ersten Sammlervereine gegründet und die ersten Sammlerzeitschriften herausgegeben. Und es gab reichsweit rund 60 Fabriken, die Sammelsteckalben für Bildpostkarten herstellten. 1900 hatte eine Fabrik in Frankfurt a. M. 1200 Angestellte, an jedem Tag wurden bis zu hundert neue Motive produziert. Im Spitzenjahr 1903/1904 liefen in Deutschland 1,16 Milliarden (!) AnsichtskartenBis 1905 durfte auf der Vorderseite nur die Anschrift stehen, so daß eigentlich kein Platz für Mitteilungen war. Es konnte also nur auf die Bildseite geschrieben werden. Bei vielen Karten aus dieser Zeit wurde deshalb von den Druckern auf der Bildseite ein schmaler Streifen oder eine Ecke Platz für die “Tausend Grüße und Küsse“ frei gelassen. Wer damit nicht auskam, schrieb einfach über die Bildseite. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten “Gruss aus ...”-karten, die heute - wie damals - in Sammlerkreisen sehr beliebt sind."

 

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